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“Es tut so weh!” Was dir hilft, Trennungsschmerz zu überwinden, wenn du dachtest, ihr gehört zusammen


Plötzlich ist es passiert. Es ist Schluss. Er*sie hat dich verlassen. Die Welt scheint unterzugehen. Du sitzt da und kannst es nicht fassen.

Jeder der schon mal eine schmerzhafte Trennung erlebt hat, weiß wie tief das gehen kann. Es gibt auch Trennungen, die ruhig und mehr oder weniger einvernehmlich von statten gehen. Ich möchte auf die Art Trennung eingehen, die uns erstmal den Boden unter den Füßen wegzieht und uns durch die Hölle schickt. Beim Trennungsschmerz sind im Gehirn dieselben Areale aktiv, wie bei physischem Schmerz. Du bildest dir deine Schmerzen also nicht ein. Auch die hohe Ausschüttung von Stresshormonen, Cortisol und Adrenalin, sind in Studien nachgewiesen. Eine Trennung kann der Auslöser für eine Depression sein, je nachdem wie wir in anderen Lebensbereichen aufgestellt sind, was die Trennung für uns bedeutet und wie wir mit unseren Gefühlen umgehen können. Umso wichtiger zu verstehen, was es für dich bedeutet und dich darin gut um dich zu kümmern.

 

Es geht nicht nur der Partner

 

Wenn eine langjährige Beziehung endet, geht nicht nur der Partner, sondern die Trennung bedeutet den Verlust deines Lebens, so wie es war: Dein gewohnter Alltag, deine Rituale, ganz banal, deine Abend- und Wochenendgestaltung. Vermutlich sind auch weniger Freunde und Bekannte da als zuvor, da manche jetzt Zeit mit dem*der Ex verbringen – und in der Zeit nicht mit dir. Dein gesamtes Leben, wie du es kennst, läuft nicht mehr weiter wie zuvor und muss erst wieder neu erfunden und gestaltet werden. Auch manche gewohnte Strategien, wie du mit den Anforderungen des Lebens umgehst und deine Vorstellung von der Zukunft fallen weg. Vielleicht hast du dich auch besonders gut mit der Familie deines*r Freundes*in verstanden und diese Verbindung zu verlieren, trifft dich ebenfalls hart. Deswegen tun Trennungen auch nicht nur dem weh, der verlassen wurde. Und sie können auch dann tiefen Kummer verursachen, wenn wir vielleicht nicht mehr glücklich in der Beziehung waren. Es endet eine Lebensphase – das alte Leben stirbt und das Ausmaß des Verlustes fühlt sich sehr groß an.

 

 

Traurige Gefühle brauchen Raum, Trost und vielleicht einen poetischen Titel

 

Nun hat eine Phase in unserem Leben begonnen hat, die nicht vor Leichtigkeit und Übermut sprüht. Das ist Fakt. Jedoch kann auch in der Traurigkeit, im Trennungsschmerz tatsächlich eine melancholische Schönheit liegen, wenn sie einen guten Rahmen bekommt. Die Frage ist, ob wir uns den Raum dafür geben können. Dürfen wir gerade ‘Out of Order‘ sein, uns die Zeit nehmen für lange Spaziergänge und unsere wahren Gefühle zeigen, wenn wir mit anderen zusammen sind? Wenn das alte Leben stirbt, ist Trauer mehr als angemessen. Was brauchst du jetzt? Vielleicht einen Freund, der dir eine Suppe kocht, während du einfach schweigend auf dem Sofa sitzen darfst? Wenn das gerade keiner übernehmen kann, dann lass dir eine Suppe liefern, zünde dir eine Kerze an und muckel dich vielleicht mit etwas Tröstlichem, wie einem Kinderbuch, unter die Decke.

Es ist gut sich jetzt keine großen Anforderungen zuzumuten und sich von lieben Menschen Verständnis und Zuwendung abzuholen. Erzähle, wie es dir geht! Es kann uns anderen Menschen näherbringen, wenn wir uns in unserer Verletzbarkeit zeigen. Es kann uns auch uns selbst näherbringen, wenn wir uns diese Seite von uns zugestehen. What makes you vulnerable, makes you beautiful. Eine coole Fassade mag dein Ego schonen, bedeutet aber Einsamkeit. Rede mit Freunden, schreibe deine Gefühle auf, male ein Bild, wenn du magst… Große, berührende Kunst entstand oft aus den existentiellen Gefühlserfahrungen und tiefem Liebeskummer. Wir können uns dadurch mit der Welt auf einer tieferen Ebene verbinden.  Oder gib deiner Lebenssituation vielleicht einen poetischen Titel und würdige die Tragweite der Situation und deine Fähigkeit zu empfinden. Deine Trauer ist angemessen; sie braucht einen angemessenen Rahmen.

 

 

Du bist nicht dein Schmerz

 

Es tut trotzdem einfach schrecklich weh…. Wenn die schmerzhaften Gefühle unerträglich werden, dann schaue sie dir genau an. Gib dich nicht negativen Gedanken hin, sondern fühle in deinen Körper, wo genau der Trennungsschmerz spürbar ist, als solltest du ihn für jemanden beschreiben. Wo und wie genau fühlt er sich an? Du bist der Beobachter, du bist nicht dein Schmerz. Du bist der Himmel und der Schmerz sind die Wolken, die darüber ziehen. Sofort wirst du merken, dass sie  etwas erträglicher werden. Schmerzhafte Gefühle werden schlimmer, wenn wir sie unbedingt ‘weghaben‘ wollen. Oder wenn wir sie mit tragischen Sätzen füttern. Darüber später mehr. Sie ohne Bewertung zu betrachten, nimmt Ihnen die Kraft.

 

 

Was nicht hilft

 

Erwarte nicht von dir, dass du das Thema schnell abhandelst und dich in kürzester Zeit wieder fühlst wie zuvor. Manchmal ist es für deine Freunde und Familie schwer auszuhalten, dich leiden zu sehen. Lass dich nicht drängen! Du hast ein Recht auf deine Gefühle.
Es gibt eine Reihe von wenig hilfreichen Sätzen, die ein frisch Getrennter von wohlmeinenden Menschen zu hören bekommt. Dazu gehören:

 

„Sei froh, dass du ihn/sie los bist!“ / „Er/sie war eh nicht gut genug für dich!“

Hier wird uns das, was wir betrauern, was für uns ja sehr wichtig war und einen großen Teil unseres Lebens ausgemacht hat, geschmälert und abgewertet. Damit wird uns eher das Recht auf unseren Schmerz abgesprochen. Kein Außenstehender kann beurteilen, was die Beziehung für dich bedeutet hat. Abwertung der Beziehung wertet auch unser Leben und unsere Entscheidungen ab. Das ist weder in Ordnung, noch hilfreich.

 

„Wollt ihr es nicht doch nochmal probieren?“

Das kann Salz in deinen Wunden sein, weil du dir das vielleicht grade sehr wünschst, aber nicht den Einfluss hast das umzusetzen. Oder du blickst vielleicht auf ein emotionales Schlachtfeld zurück und der Satz klingt, als solltest du zurück in den Krieg geschickt werden.

 

„Hast du dich schon bei Tinder angemeldet?“ / „Ich kenne da einen tollen Typen für dich!“

Schnell weiter, als wäre nichts gewesen … als wäre eine Partnerschaft etwas aus dem Katalog und wenn die Beziehung kaputt ist, dann bestellst du dir eben eine Neue – wie bei einer defekten Waschmaschine.

Wenn deine Wunden etwas verheilt sind und du den Impuls spürst dich in neuen Zusammenhängen zu erfahren, wirst du das schon tun. Auf welche Weise auch immer. Ein zu früher Push in die Richtung, geht an deinem Gefühlsleben vorbei. Sag das ruhig, wenn es sich so für dich anfühlt.

Wenn du solche Sätze hörst, lass sie beim Anderen. Du kannst auch fragen, ob der Andere es gerade schwer findet deine Trauer mit dir auszuhalten und ihn*sie um etwas Konkretes bitten, was dir guttun würde. Was hilft ist Zuhören, Suppe kochen, konkrete Hilfe anbieten wie: „Soll ich deine Sachen für dich abholen? Samstagabend mit dir einen Film schauen?“ etc. Es hilft vor allem das Gefühl zu haben, dass es in Ordnung ist jetzt traurig zu sein.

 

 

This too shall pass

 

Im Leben ist nur sicher, dass nichts bleibt wie es ist. In dem Zitat: This too shall pass liegt auf den ersten Blick die Tragik der Vergänglichkeit und auf den zweiten Blick der größte Trost. Nichts wird so bleiben, auch nicht der Trennungsschmerz. Das Leben ist Veränderung und wir verändern uns kontinuierlich darin. Es kann uns so vorkommen, als wäre nun für immer alles düster. Wenn eines sicher ist, ist dass es sich verändern wird. Du glaubst mir nicht? Dann erinnere dich an schwierige, schmerzhafte Situationen, die es schon in deinem Leben gab. Es gab Umbrüche, ungewollte Veränderungen und Verluste. Du hast sie überwunden. Es ist sehr hilfreich, wenn wir uns daran erinnern, wie wir das damals geschafft haben. Und wie wir die Situation heute erleben, wenn wir darauf zurückblicken. Frage dich, wie du die jetzige Situation heute in 20 Jahren rückblickend sehen wirst. Wie wird dein älteres Selbst es einordnen? War diese Beziehung mit hundertprozentiger Sicherheit die einzige, nun für immer verlorene große Liebe?

 

Unser eigentlicher Gegner: die traurige Geschichte, die wir uns erzählen

 

Das, was maßgeblich eine traurige Situation erträglich oder unerträglich macht, ist die Geschichte, die wir uns dazu über unser Leben erzählen. Wir sind jetzt also wieder Single. Wir haben es uns vielleicht nicht ausgesucht, aber es ist so.  Wenn wir dazu jedoch Gedanken denken wie: “Ich werde nie wieder glücklich sein“, „Es ist der Beweis, dass ich nicht beziehungsfähig oder liebenswert bin“ oder „Ich habe versagt und meine einzige Chance auf Glück vertan!“, dann kommt zu dem Verlustschmerz der Beziehung eine viel schlimmere, niederdrückende Selbstabwertung. Trennungen passieren. Macht uns die Trennung zu einem schlechten Menschen, dem jedes zukünftige Glück versagt bleiben wird? Sicher nicht! Frage dich, ob du das so bei einer*m Freund*in so einschätzen würdest?

Mache Dir Deine Gedanken bewusst! Schreibe sie auf! Und dann schreibe einen freundlichen, realistischen Gedanken daneben.
Nehmen wir den Gedanken: „Ich bin nicht liebenswert, sonst wäre der Partner bei mir geblieben“. Dieser Satz geht zum Beispiel von einer Vorstellung aus, dass wir quasi statisch mit einer Tasche voll Eigenschaften entweder das Etikett ‘gut‘ oder ‚‘schlecht‘ bekommen. Wenn das so wäre, müsste man ja nur zusammenkommen, sich für gut befinden und das wär’s, für immer. Es spielen jedoch tausende Entscheidungen und Verhaltensweisen genauso in die Beziehungsdynamik, wie das Empfinden des anderen, das wiederum eingefärbt ist durch seine ganz eigene Geschichte und Erfahrungen.
Ist es traurig, dass die Beziehung zu Ende ist, ja. Ist es eine Aussage über Dich als Mensch? Nein! Wie du dir deine Trennungsgeschichte erzählst, liegt an dir! Da liegt deine Macht. Auch deine Macht deinen Schmerz vergehen zu lassen.

Ebenfalls ein Garant für dauerhafte Verzweiflung ist der Gedanke: „Das war nun die eine große Liebe. Sie ist verloren und ich werde nie eine Bessere/einen Besseren finden!“ Wenn es der ideale Partner gewesen wäre, wärt ihr vermutlich nicht getrennt. Es war vielleicht eine bedeutsame Verbindung und gemeinsame Zeit. Der Gedanke, dass die Chance auf Glück nun vertan ist, macht dich unglücklicher als die Trennung selbst. Es geht nicht um Saure-Trauben-Politik und den anderen nun schlecht zu machen, sondern um eine nüchterne Betrachtung.

 

 

Wie war es wirklich?

 

Oft ist unser sonst klarer Blick im Schmerz vernebelt und wir verklären die Ex-Beziehung. Schau mal ganz objektiv, wie gut ihr wirklich in verschiedenen Bereichen harmoniert habt. Nimm dir etwas Zeit und bewerte ehrlich deine Zufriedenheit im Bereich:

 

  • Kontakte, gemeinsamer Freundeskreis
  • Achtung, Respekt
  • Ähnlichkeit, Vertrautheit
  • Aktivität, Engagement
  • Anerkennung, Lob
  • Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit
  • Auseinandersetzung, Emotionalität
  • Eingebundensein, Zugehörigkeit
  • Entspannung, Ruhe
  • Freiraum, Abgrenzung
  • Fürsorge, Unterstützung
  • Gemeinsame Werte, Lebensziele
  • Gespräche, Kommunikation
  • Gleichberechtigung, Gerechtigkeit
  • Harmonie, Zufriedenheit
  • Humor, Spaß
  • Interesse, Initiative
  • Lebensfreude, Lebendigkeit
  • Liebe, Freundschaft
  • Lust, Leidenschaft
  • Motivation, Antrieb
  • Offenheit, Direktheit
  • Romantik, Intimität
  • Rücksichtnahme, Höflichkeit
  • Selbständigkeit, Tüchtigkeit
  • Selbstverwirklichung, Persönlichkeitsentwicklung
  • Sexualität, Erotik
  • Sport, Fitness
  • Toleranz, Nachsicht
  • Treue, Verbindlichkeit
  • Unabhängigkeit, Freiheit
  • Verantwortung, Macht
  • Verlässlichkeit, Sicherheit
  • Verträglichkeit, Kompromissbereitschaft
  • Vertrauen, Geborgenheit
  • Wertschätzung, Akzeptanz
  • Zärtlichkeit, Nähe
  • Zuversicht, Optimismus

 

Gibst Du Deiner Ex-Beziehung wirklich einen Top-Score in allen Bereichen? Es geht nicht darum die Beziehung nun als einen Fehler zu sehen, sondern um eine ausgewogene Einschätzung. Vielleicht ist es dann im nach hinein betrachtet nicht mehr ganz so unerklärlich, dass es geendet hat.

Daneben können wir auch wertschätzen was war und sehen, warum die Beziehung bestand und wir daran festgehalten haben. Darin liegt eine Chance uns und unsere Bedürfnisse besser kennenzulernen.

 

 

Tragende Säulen und konkrete Trennungsschmerz – Tipps

 

In Ratgebertexten über Liebeskummer wird häufig geraten sich abzulenken. Ja, gönne dir Pausen von dem Thema! Die (Ex) Beziehung ist nur ein Bereich deines Lebens. Andere Bereiche bleiben davon unberührt. Und diese zu fühlen und zu stärken ist wichtig und gut. Wie uns mehrere Säulen in unserm Leben stützen, kommen wir besser damit zurecht, wenn nur eine davon bröckelt und die anderen das Dach weitertragen. Was sind deine Säulen, die noch stehen? Bist du körperlich gesund, hast Freunde/Familie, Interessen, eine Leidenschaft für Dinge, einen Job, der dir Spaß macht? Daher funktioniert der alte Rat mit dem ‘sich in Arbeit stürzen‘, vorausgesetzt es ist eine Arbeit, die du magst und bei der du dich in deiner Kraft erlebst.

Auch wird häufig geraten Gegenstände, die an die Beziehung erinnern aus der Wohnung zu entfernen. Die Erinnerungsstücke triggern den Schmerz und versperren den Blick auf das, was kommen kann. Nach und nach wirst du selbst wieder in den Mittelpunkt deiner Aufmerksamkeit und deines Lebens rücken. Je eher, desto leichter. Die ständige Erinnerung an die Vergangenheit zu zweit erschwert dies. Nur eine Hand die etwas loslässt, kann etwas Neues greifen.Du musst die Dinge nicht gleich wegwerfen. Sie in einem Karton in den Keller, oder zumindest unters Bett zu stellen, reicht aus.

Weiter halte ich es für wichtig den Ex nicht in den sozialen Medien zu stalken. Das ist eine riesige Quelle unnötigen Schmerzes. Heilung braucht Abstand. Blockiere, entfreunde, lösche, auch wenn es Überwindung kostet.  Selbst wenn du später einmal freundschaftlichen Kontakt haben möchtest, das ist immer wieder möglich. Der Abstand zuvor, um mit der Liebesbeziehung abzuschließen, bereitet dafür eher den Boden. Kontaktsperre ist vergleichbar mit einem Drogenentzug. Entzug funktioniert auch nur ohne Drogenkonsum. Das Verständnis dafür kannst du einfordern, wenn dir wichtig ist, dass der andere es nicht persönlich nimmt.

Weiter ist es offline hilfreich erstmal nicht die Orte aufzusuchen, wo ihr oft gemeinsam wart. Im Gegenteil, gehe jetzt an Plätze (Cafes, Parks, Läden, Bars), wo du noch nie warst. Die sind nicht besetzt mit eurer Geschichte und du kannst spüren, dass alternativ in deinem Leben noch viel Neues und Unentdecktes auf dich wartet.

 

 

Struktur und Gespräche helfen

 

Suche dir Routinen, die deinen Tag und deine Woche strukturieren. Das klingt vielleicht unspektakulär, gibt aber Sicherheit in der unsicheren Zeit des Umbruchs. Es ist auch wichtig, dass du regelmäßig isst und trinkst, auch wenn du keinen Hunger hast.  Du brauchst deine Kraft für die innere Schwerstarbeit, die du leistet.  Auch Sport zu machen hilft, weil wir dann unsere körperliche Kraft spüren können, eine Pause von unseren Gedanken haben und Stresshormone abbauen. Wenn dir die Kraft zum Sport fehlt, ist auch erstmal ein regelmäßiger Spaziergang gut.

Sollten in deinem Leben grade mehrere Säulen nicht mehr tragen, kann es unter Umständen zu viel und schwer werden. Wenn du das Gefühl hast, dass du die Situation nicht bewältigen kannst, ist es vielleicht der richtige Schritt sich professionelle Unterstützung zu suchen. Auch wenn die Trennung ein altes Thema aufreißt oder Trauma triggert und du psychische Symptome entwickelst, kann das sehr hilfreich sein. Es muss oft nicht eine lange Therapie sein, um wieder auf die Beine zu kommen. Oftmals reichen ein paar Stunden aus um eine neue Perspektive einnehmen zu können und wieder handlungsfähig zu werden. Neben den hier aufgeführten Punkten, wird dann individuell genauer nach deiner Geschichte, tieferliegenden inneren Konflikten, schädlichen Glaubenssätzen, unerfüllten Bedürfnissen und nach Ressourcen und Kraftquellen geschaut.  Ich biete mit Soulmates ein Angebot für diese Situationen.

 

 

Alte Wunden

 

Manchmal berührt die Trennung ein alte Wunde und ist der Auslöser für eine Verzweiflung, die tiefer liegt. Wir erleben die Trennung als Angriff auf unseren Selbstwert. Die aktuelle Situation aktiviert einen Gefühlszustand, dessen Entstehung in schmerzhaften Erfahrungen in der Vergangenheit liegen. Wenn wir einfach nicht über die Trennung hinwegkommen, unser Schmerz überproportional groß ist oder sich depressive Symptome entwickeln,  ist es sinnvoll zu schauen, wo das zugrundeliegende Thema liegt.

Ein Klient, der sehr unter dem Verlust seiner Beziehung litt, beschrieb diese gleichzeitig als wenig erfüllend. Wie sich herausstellte,  interpretierte er die Zurückweisung unbewusst in Zusammenhang mit vermeintlichen Schwächen seiner Person. Sein negatives Selbstbild war  während einer massiven Mobbing-Phase in seiner Schulzeit entstanden und der alte Schmerz wurde nun durch die Trennung und deren Umstände aktiviert. Er sah sich dafür abgewertet und zurückgewiesen, dass er nicht so selbstbewusst im Freundeskreis auftreten konnte und keine großen beruflichen Erfolge vorzuweisen hatte, mit denen er sich vor andern hätte profilieren können.

Schlimmer als der Verlust der romantischen Beziehung war der vermeintliche ‘Beweis‘ dafür, dass er nicht in Ordnung und liebenswert ist. Zum Liebeskummer kam eine diffuse Angst und Unsicherheit vor gesellschaftlicher Ablehnung, auch wenn realistisch heute kein Mobbing drohte. Zu beleuchten und einzuordnen welcher Schmerz zu welcher Situation gehört, ermöglichte ihm den freien Blick auf die jetzige Situation und eine neue Haltung sich selbst gegenüber einzunehmen. Das Bewusstsein für das gequälte Kind von damals und dessen unerfülltes Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit, half ihm sich nun auf der Gefühlsebene selbst fürsorglich und schützend vor diesen Jungen stellen zu können. In dem Zuge konnte er die Schwächen und Motive der Angreifer erkennen und ihr Verhalten als ihr Defizit und nicht mehr seinen Fehler erleben. Die Krise durch die Trennung war für ihn eine Chance die alten Bewertungsmuster zu verändern.

 

Die Aufgabe annehmen

 

Leid ist die Diskrepanz zwischen dem, was ist und dem was wir denken, was sein sollte. Der Schlüssel unser Leid zu überwinden, liegt in der Akzeptanz.
Akzeptanz bedeutet nicht, dass es uns egal zu sein hat. Oder das wir es gar gut finden müssen, was das Leben uns präsentiert, wir es aber als unsere Aufgabe annehmen.  Du kannst Dich fragen welche Aufgabe das Leben nun an Dich stellt. Mehr Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl entwickeln? Selbständigkeit? Deine Verletzlichkeit schätzen lernen? Deine Stärke erproben? Im Buddhismus heißt es: Begegne der Situation als, als hättest du sie selbst gewählt. Das muss jetzt nicht der große Schalter sein, der sich sofort umlegt. Du kannst mit kleinen Dingen beginnen. Nimm die Herausforderung an, dein jetziges Gefühl zu betrachten, dein Bedürfnis wahrzunehmen und es auszudrücken.

 

So kommst du gut durch die Trauerphasen

 

Bei der Verarbeitung einer schmerzhaften Trennung durchlaufen wir einen Trauerprozess mit unterschiedlichen Phasen. Verleugnung, Verzweiflung, Wut, plötzlich aufbrechende Emotionen, Verhandlung und stille Trauer sind normal und wollen durchlaufen, die Gefühle durchlebt werden. Diese Phasen verlaufen nicht chronologisch, sondern wir springen in ihnen gewöhnlich vor und zurück.  Auch können widersprüchliche Gefühle gleichzeitig empfunden werden. Zum Beispiel das Gefühl, dem*der Ex niemals verzeihen zu können und ihn dennoch zurückhaben zu wollen. Wichtig ist nur nicht zu lange in einem Gefühlszustand stecken zu bleiben.
Vielleicht erkennst du dich grade in einer dieser Phasen:

 

Verleugnung

In der Verleugnungsphase glauben wir, dass es nicht wahr ist. Dass der Partner wieder zurückkommt und es alles wieder so wird wie es war. Wir verweigern die neue Realität anzuerkennen.

Ja, vielleicht kommt der Partner sogar zurück. Aber es wird nicht so wie es war. Das kann es nicht, da diese Erfahrung jetzt sich mit auf die Perlenkette der Erfahrungen mit aufgereiht hat. Darin liegt die Notwendigkeit zur Reflektion und Veränderung. Es zu ignorieren, erschafft keinen neuen sichereren Boden.

 

Verzweiflung

Die Verzweiflung wirst Du vermutlich schon gefühlt haben. Am Anfang brechen eher intensive Gefühle hervor. Wenn du realisierst, dass es wirklich vorbei ist, kann auch eine apathische, depressiv anmutende Stimmung auftreten.

Sorge in der Trauer dafür, dass du einen sicheren und möglichst geborgenen Ort dafür hast und sanft darin zu dir bist! Und wenn die Phase nicht enden will, gib dir bewusst einen Schubs in die Nächste und denke beispielsweise an Dinge, die Dich am Ex Partner wütend machen.

 

Wut

Wut zu fühlen ist oft leichter zu ertragen als Verzweiflung. Und es hilft uns innerlich Distanz zum Ex-Partner zu bekommen.

Nur von Rachephantasien rate ich stark ab. Hass und Rache sind Gefühle, die dir selbst weitaus mehr schaden, als jedem anderen um dich herum. Die Richtung ist destruktiv und du wirst zu einem Menschen, den du selbst nicht mögen würdest. Den Partner zu verlieren ist die eine Sache. Die viel Wichtigere ist, dich nicht selbst zu verlieren! Was auch immer geschieht in deinem Leben, es sollte nichts die Macht über dich haben, deine eigenen Werte und Integrität über Bord zu werfen.

Aber etwas Wut ist lebendig und sorgt dafür, dass du nicht in der Verzweiflung stecken bleibst. Dabei ist der Unterschied, ob wir uns erlauben Wut zu fühlen, oder beginnen blind in Wut zu agieren. Wut fühlen, ja, unbedingt! Aus der Wut heraus handeln? Nein. Warte einen Tag, bevor du deinen Impuls in die Tat umsetzt, auch wenn es schwierig ist. Damit schützt du dich selbst.

 

Verhandlung

Wir möchten die Situation nicht einfach so hinnehmen und kapitulieren, wir möchten verhandeln. Verhandlung mit dem Expartner geschieht, um den Trennungsschmerz und Ohnmachtsgefühle zu vermeiden. Das äußert sich dann so, dass wir Zugeständnisse anbieten und alles Mögliche dafür tun würden, damit uns der Partner zurücknimmt. Wir sind bereit Versprechungen zu machen, die weit über unsere Grenzen gehen.

Im späteren Verlauf des Prozesses verhandeln wir mit uns selbst, was sehr viel konstruktiver ist.  Das äußert sich in Gedanken wie: „Wenn es denn nun schon so ist, dass ich jetzt allein bin, dann darf ich aber auch…“ Ja, mache Dinge, die vorher nicht möglich waren! Was ist der Gewinn der Situation? Darfst du dich mal richtig schön gehen lassen, Seiten ausleben, die in der Beziehung keinen Raum hatten? Dinge wegwerfen, die nie so richtig deine waren? Kein Blatt mehr vor den Mund nehmen? Ja, jetzt darfst du alles!

 

Akzeptanz

Am Ende steht die Akzeptanz. Das Geschehene bekommt einen Platz in deiner Lebensgeschichte. Die Trennung bekommt einen Sinn. Diese Erfahrung hat vielleicht zu einer tieferen Auseinandersetzung mit dir selbst geführt, dich gefordert und wachsen lassen. Sie war vielleicht da um dich in deiner Entwicklung weiterzubringen oder dich von nicht Erfüllendem zu lösen. Sie hat dich erleben lassen, was du alles aushalten kannst und das das Leben noch viel mehr sein kann, als du dachtest. Durch die extreme Erfahrung hast du die Chance deine Beziehung zu dir und zum Leben eine neue Tiefe und Qualität zu geben.

 

Rückwirkend betrachtet, bin ich nach meinen durchgestandenen Verlusterfahrungen stärker, reifer und mehr ich selbst geworden. Die schmerzvolle Trennung kann der Weg durch den Geburtskanal zu einem erfüllteren Leben sein.

 

 

New beginnings are often disguised as painful endings

 

 

Tina - Soulmates